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Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Jahreslosung: 2010 - (Johannes 14,1):
Jesus Christus spricht: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“
Liebe Gemeinde,
„Das Leben haben!“ Das ist ein wunderbarer Gedanke, eine wunderbare Vorstellung. „Das Leben haben!“ In voller Kraft und Blüte stehen – Vitalität ausstrahlen, Kraft und Mut besitzen um Bäume auszureißen – den Verlauf von Zeit und Begegnungen so steuern zu können, dass ich mit voller Zuversicht sagen kann: „Ich habe das Leben, ich habe mein Leben voll in der Hand.“
Und wenn es mir mal nicht so gut gehen sollte, dann gehe ich eben zum Arzt und mit der richtigen Medizin bin ich bald wieder der alte.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, Liebe Gemeinde, aber ich habe öfter mal dieses gute Gefühl das Leben zu haben. Und zwar meistens dann, wenn sich etwas Neues und Verheißungsvolles in meinem Leben ereignet. Oder wenn ich etwas geschafft habe. Wenn ich z. B. ein neues Projekt beginnen möchte und ich bald erkenne und merke, dass in der Vorbereitung alles glatt und gut läuft. Fördergelder genehmigt und Anträge angenommen wurden.
Oder im zwischenmenschlichen Bereich. Wenn ein gutes und klärendes Gespräch zustande kam. Auch das kann mir dieses gute Gefühl vermitteln. „Ja – hier haben wir einen neuen Anfang gesetzt – jetzt geht es wieder bergauf – jetzt habe ich wieder das Leben.
Aber natürlich kenne ich auch genau das gegenteilige Gefühl. Das Gefühl, dass gerade nicht ich es bin, der mein Leben in der Hand hat. Momente wo mir die gewünschte Vitalität fehlt. Wo ich gerade nicht das Gefühl habe, dass ich Bäume ausreißen könnte. Wo ich das Gefühl habe, dass das Leben mich hat; wie einen Spielball im Lauf der Zeiten.
Brüche in meinem Leben. Brüche in Beziehungen – ein Streit, finanzielle Engpässe, menschliche Enttäuschung. Einbrüche in der Gesundheit, im Berufsleben. Zugesagte, das dahingeht wie die Spreu im Wind. Momente der Melancholie und Unvollkommenheit.
Dann merke ich, wie begrenzt und eingeschränkt ich eigentlich bin. Wie vieles in meinem Leben unmittelbar an der Vergänglichkeit gekoppelt ist. Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass es Brüche in meinem Leben gibt. Das meine Wunschvorstellung von der kommenden Zeit sich doch sehr unterscheidet von der erlittenen Wirklichkeit. Vorboten des eigenen Todes.
Auch Jesus kennt diese Brüche in unserem Leben. Und so spricht er es auch in der Jahreslosung an: „Euer Herz erschrecke nicht!; ....“ Es gibt vieles, was uns erschrecken kann; wo wir uns mit der Hand ans Herz fassen und die Luft anhalten.
Aber es gibt auch die Gewissheit unvergänglicher Zukunft. Denn Jesus sagt ja dann weiter: „... Glaubt an Gott und glaubt an mich!“
Liebe Gemeinde, der Jahreswechsel liegt hinter uns, - Rückblick, Dankbares, erinnerte Abschiede, - leises Herantasten an Erwartungen und Hoffnungen, verbunden auch mit der Hoffnung, in der wir glauben. Ein Teil von Stille ist es immer noch, die in diesen Tagen mitgeht. Das volle gewohnte Tempo hat uns noch nicht erreicht. Und so tut es vielleicht noch mal gut, wenn wir noch einmal auf die Weihnachtsbotschaft schauen. Auf das Kind in der Krippe.
Die Verletzlichkeit des neugeborenen Jesus weist uns auf seine menschliche Seite hin. Dass er auch als Retter zu uns kommt, gerät dann manchmal aus dem Blick. Die Geschichte vom Baby im Stall weist weit über sich selbst hinaus.
Im Kind in der Krippe fängt Gott eine neue Geschichte mit uns Menschen an. Und hier braucht es unseren Glauben. Denn dieser Glauben ist notwendig für das gute Gefühl, die Sicherheit das Leben zu haben. „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“
Der Predigttext aus dem 1. Johannesbrief im 5. Kapitel, stellt die Frage schärfer. Wie verhält sich die Realität, die gestaltete und erlittene Wirklichkeit, wie verhält und verträgt es sich mit dem, was und wie ich glaube, was mich in meinem Leben trägt?
Wir haben den Text schon in der Epistel gehört, aber ich lese ihn noch einmal vor: 11 Das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. 12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. 13 Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. (1. Johannes 5,11-13)
Wer diesen Glauben hat, der hat das ewige Leben. Und dieses Leben zu haben geht über ein zufriedenes und gelingendes Leben vor dem Tod hinaus.
Wenn der Verfasser des 1. Johannisbriefes den Begriff „Leben“ umschreibt, dann hat er das ewige Leben im Blick. Wer im Kind in der Krippe den Christus, den Retter der Welt sieht, hat Anteil am ewigen Leben, am Leben über den Tod hinaus, an unzerstörbarer Gemeinschaft mit Gott. Und wichtig ist, dass wir diesen Anteil nicht nur haben, sondern auch darum wissen.
Aber wir haben nur Anteil daran. D.h. nicht wir haben das ewige Leben, sondern allein Gott hat es.
Es mag sein, dass wir vieles in unserem Leben und in unserer Gesellschaft bewerkstelligen können.
Die Medizin z.B. wird immer fortschrittlicher und vieles haben wir bereits in den Griff bekommen, wo vorangegangene Generationen noch dran zugrunde gegangen sind. Unsere moderne Medizin kann Leben verlängern, Gesundungsprozesse fördern und Schmerzen lindern.
Das Leben aber hat sie nicht.
Gott allein hat das Leben – das ewige Leben. Und er hat es uns verheißen.
Und wenn wir darum wissen, dann kann sich dies auch auf unser alltägliches Lebens auswirken. Wenn ich glaube, dass ich Anteil an der Gemeinschaft mit Gott habe, sogar über den Tod hinaus, hat dieses auch Einfluss darauf, wie ich heute lebe, denke, fühle, hoffe, handele.
Haben Sie das schon einmal erlebt? Dass da ein Funke aufblitzt, der ein ganz neues Licht fallen lässt auf das, was mein Leben gerade ausmacht?
Manchmal habe ich diese Momente. Es ist wohl nur ein kleiner Moment, vielleicht nur ein flüchtiger Gedanke, der aufleuchtet. Ich konnte das, war mir gerade so schlimmes passierte, aus einer anderen Perspektive sehen: Das, was uns hier gerade so quält und mir das Leben so schwer macht, hat keine letzte Gültigkeit, sondern wird relativiert von dem, der uns unzerstörbare Gemeinschaft auch über den Tod hinaus zugesichert hat.
Es sind Momente des Glaubens, die Gott mir da schenkt. Ich kann sie nicht packen und greifen und für mich verfügbar machen.
Glaube, wie ihn unser Predigttext meint, ist zunächst einmal Geschenk. Und dieses Geschenk braucht Pflege und Nahrung.
Pflege und Nahrung gibt es aber nicht aus mir selbst heraus. Dazu brauche ich ein Gegenüber. Es reicht eben nicht aus die eigene innere Kraft und Vitalität zu spüren und dann zu meinen, das Leben zu haben. Glaube, der uns Leben verheißt, braucht Zeit und Pflege.
Und so führt uns der Text und sein Zusammenhang heute auf eine wichtige Spur. Es ist nötig zu wissen, dass wir Anteil am ewigen Leben durch Gott haben. Man muss es immer wieder vergewissern lassen, von außen, von anderen, die glauben.
Das Christfest will uns so eine Vergewisserung sein. An dieser Stelle dürfen wir unseren Glauben, dass das Kind in der Krippe weit über sich hinaus weist und Heil schaffende Zukunft Gottes in unsere Gegenwart trägt, einüben.
Weihnachten öffnet uns ein Fenster und lässt uns einen Blick erhaschen auf Gottes liebende Gegenwart, die von Gottes Seite aus durch nichts zu erschüttern ist – nicht einmal durch den Tod.
Ob solch ein Glaube hilft, wenn ich das Gefühl habe, ausgebremst worden zu sein?
Ich hoffe es. Schön wäre es, wenn wir voller Zuversicht um einen solchen hindurch tragenden Glauben für uns selbst und andere bitten könnten. Damit Gottes Zukunft heute schon die Gegenwart bestimmt.
Solche Glaubenserfahrungen wünsche ich uns allen – im kommenden neuen Jahr und darüber hinaus. Und zwar nicht nur dann, wenn uns die Lebensumstände böse mitspielen. Auch in guten Tagen, damit wir davon zehren und leben können.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.
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