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Superintendent Dibbern
Liebe Gemeinde,
die Vorgeschichte unseres heutigen Predigtabschnittes ist bekannt: Die Stämme Israels waren wegen einer Hungersnot nach Ägypten gezogen und - ansässig geworden - gerieten sie als Fremde in Abhängigkeit und wurden schließlich zu Arbeitssklaven. Mose, ein Hebräer, wurde als Kind vor dem Tode bewahrt und dann am Hofe des Pharao erzogen. Aber weil er einen ägyptischen Aufseher erschlagen hatte, musste er über die Grenze fliehen und verdingte sich als Hirte in Midian. Dort heiratet er die Tochter seines Arbeitgebers und lebt nun im Clan seines Schwiegervaters. Und hier setzt die heutige Erzählung ein.
Mir sind an der Geschichte 3 Besonderheiten wichtig geworden, die für uns heute eine Rolle spielen können.
1. Mose kommt neugierig zum Dornbusch und wird von Gott angesprochen: „Tritt nicht näher herzu, zieh´ deine Schuhe von den Füßen, denn der Ort, an dem du stehst, ist heiliges Land.“
Mit bloßen Füßen auf der Erde und bei einem alltäglichen Dornenstrauch spricht Gott ihn an. Auf der Erde, mitten bei seiner Arbeit spürt er die Stimme Gottes. Es handelt sich nicht um einen besonders heiligen Bezirk, und es ist keine besondere Atmosphäre da, und er hat auch kein abgehobenes Erlebnis. Barfuß auf dem Boden der Tatsachen, mit beiden Beinen mitten im Leben steht Mose, da als Gott ihn anspricht.
Liebe Gemeinde, mit uns ist es doch auch überhaupt nicht anders. Da, wo wir leben und arbeiten, mitten in unserem Alltag berührt uns Gottes Wort: Dich kann ich gebrauchen, du bist der, du bist die Richtige für mich. So wie wir hier sitzen ist uns irgendwie die Anrede Gottes unter die Haut gegangen. Mitten im Alltag sind wir Christen und leben nicht abgehoben in höheren Sphären, sondern mit beiden Beinen auf der Erde, mit Bodenhaftung. Hier auf der Erde erreicht uns Gottes Wort, dass wir nach seinem Willen leben sollen, lieben und arbeiten, freundlich und beharrlich unseren Weg gehen. Wir sollen die Erde bewohnen, sie als unseren Lebensraum nutzen und sie bewahren auch für die kommenden Generationen.
Und überall, wo uns Gottes Wort trifft, ist die Erde geheiligt. Also, wir müssen nicht in den Himmel starren (wie Petrus und Johannes und Jakobus in der Verklärungsgeschichte > im Ev. des Sonntags<). Die Erde ist Gottes Bereich, und hier will Gott mit uns leben, gewissermaßen auf Augenhöhe.
2. Gott sagt: „ Ich habe das Elend meines Volkes gesehen und ihr Klagen über ihr Unterdrücktsein gehört. Und ich bin herniedergefahren, um sie zu erretten und zu befreien aus der Hand der Ägypter. So gehe du nun hin und führe mein Volk heraus aus der Knechtschaft in ein gutes und weites Land.“
Wohin müssten wir aufbrechen, um Abhängigkeiten und fesselnden Ansprüchen zu entkommen? In welches Land?
Ins Land der Gerechtigkeit, wo niemandem Unrecht widerfährt, wo jeder seine Erfüllung und Arbeit findet, wo nicht die einen über die anderen herrschen.
Ins Land der Freiheit, wo nicht die Wirtschaftsinteressen alle Lebensbereiche dominieren und es immer nur um Gewinn geht und möglichst hohen.
Wir müssen aufbrechen in das Land, in dem z.B. Kinder willkommen sind und kein Armutsrisiko darstellen; in das Land, wo die Enkel und Ur-,Ur-, Ur-…Enkel nicht die Sünden der Väter und Mütter ausbaden und sie unsere Schulden abtragen müssen.
Liebe Gemeinde, wir leben nicht im gelobten Land, obwohl unser Land zu den reichen gehört. Aber: Nicht alle werden satt. Zu viele sind auf die Tafel angewiesen, weil sie sonst nicht über die Runden kommen. Nicht alle haben eine Arbeit, von der sie auch leben können. Zu viele hangeln sich von einem Job zum anderen, leben von Hartz IV und können nicht für ihr Alter vorsorgen. Und nicht alle haben ein Dach über dem Kopf. Zu viele sind in Teufelskreise gefallen, haben erst ihre Arbeit und dann ihre Wohnung verloren.
Und nicht alle Menschen fühlen sich akzeptiert und angenommen. Zu vielen erscheint die Gesellschaft kalt und gnadenlos, und sie empfinden, dass sie als Kostenfaktoren angesehen werden und nicht nach ihrem Wert.
Das Land, in das es aufzubrechen gilt, es liegt nicht jenseits unserer Grenzen. Es ist hier innerhalb unserer Grenzen zu suchen und zu errichten.
3. Mose sagt: „ Wenn ich nun hingehe zu meinen Leuten und ihnen sage: Der Gott eurer Väter und Mütter hat mich gesandt, dann werden sie mich fragen nach deinem Namen. Und was soll ich dann antworten?“ Und dann sagt Gott seinen Namen, und der lautet:
Ich bin der, der ich sein werde
Liebe Gemeinde, man kann den Namen auch übersetzen: Ich bin da und bin der, der da sein wird. Ich bin für dich da, für euch da, jetzt und auch an allen kommenden Tagen.
Ich bin der Gott, der für euch da ist. Nicht ihr seid für mich da, sondern ich bin für euch da, denn mein Herz schlägt für euch; schlägt für das Volk Israel, aber auch für die anderen Völker, für Juden und für Araber, für Christen und Muslime, für Asiaten und für Europäer, für Menschen aller Kontinente und Hautfarben.
Liebe Gemeinde, Gott ist keine Lokalgröße, sondern ein mitgehender, ein mitfühlender, ein mitleidender Gott. Und bei diesem, seinem Namen können wir ihn ansprechen und beim Wort nehmen. Auf diesen Namen hört Gott, und dieser Name ist ein Versprechen, ist eine Zusage, und die gilt und auf die ist Verlass.
Liebe Gemeinde, mit bloßen Füßen auf der Erde berührt Mose das Heilige, ein Stück von dem, was Gott gehört und auf dem Gott zu finden ist. Nicht im Himmel über den Woklen ist Gott zu suchen. Nein, auf der blanken Erde, auf dem einfachen Boden, den wir unter den Füßen spüren. Da ist Gott zu finden, zu hören und zu sprechen. Und in unseren Nächsten. Das hat uns Jesus Christus beigebracht, der uns besonders das jüdische Doppel- und Dreifachgebot aus 3.Mose 19 ans Herz gelegt hat: „Du sollst GOTT lieben und deinen NÄCHSTEN wie DICH SELBST. Und Gott ist ein Freund der Freiheit. Seine Leidenschaft brennt für Unterdrückte und Geschwächte; und diese Leidenschaft ist kein Stohfeuer. Sie erlischt nicht. Daher der brennende Dornbusch, der nicht zu Asche verbrennt.
Und Gottes Name ist die Zusage von Fürsorge und Nähe. Und was auch immer geschieht oder uns widerfährt, diesem Namen können wir vertrauen. Das ist gewisslich wahr. Amen.
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