Predigt mit Epheser 3,14-21

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, 15 der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, 16 daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, 17 daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. 18 So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, 19 auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. 20 Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, 21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.             Epheser 3, 14-21

 

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext das erste Mal las und darüber nachdachte, was ich predigen könnte, da kam ich mir vor, wie einer, der mit einer Teetasse Wasser aus einem riesigen Wasserfall schöpfen sollte. So kraftvoll, so gewaltig sind die Bilder, die in diesem Text zu uns sprechen.

Drei Gedanken habe sich bei mir dabei eingegraben. Es sind drei Stichworte, die ich diesem Text entnommen habe. Stichworte, die mich nicht mehr losgelassen haben. Die Stichworte lauten:

„Dass Christus in Euch wohne – Ihr seid fest verwurzelt in der Liebe – und – „So könnt ihr begreifen, was die Breite und Länge, Höhe und Tiefe ist.“

„Dass Christus in Euch wohne – Ihr seid fest verwurzelt in der Liebe – und – „So könnt ihr begreifen, was die Breite und Länge, Höhe und Tiefe ist.“

Liebe Gemeinde,

bitte schließen sie einmal ihre Augen und stellen sich folgendes Bild vor.  Ein Gemälde oder auch ein Photo. Auf dem Bild ist ein Haus. Ein schönes, idyllisches Haus. Reet gedeckt vielleicht. Und neben diesem schönen Haus ist ein großer, kräftiger Baum. Die Krone ist wundervoll ausgebildet. Die Zweige sind kraftvoll und der Stamm mächtig. Tief verwurzelt steht dieser Baum neben dem wunderschönen Haus. Und sie bilden eine Einheit, wie für einander geschaffen.

Das Haus und der Garten – sie liegen auf freiem Feld. Da sind keine anderen Bauten, die diese Idylle stören könnten. Eine riesige Wiese erstreckt sich hinter dem Haus, ein schöner Garten liegt davor. Der klare Horizont wird deutlich und der strahlend blaue Himmel berührt das Erdreich. Haben sie ein Bild vor Augen? Ist es einladend?

Und nun beginnen wir das Bild zu betreten. Ziel gerichtet geht unser Schritt auf das Haus zu. Es ist gemütlich. Schafft Zuversicht. Wir merken, dass dieses Haus ein Haus ist, in dem wir gerne wohnen würden. Da ist zuerst das Dach. Es ist beruhigend. Es gibt einem das Gefühl behütet zu sein. Wir merken, dass dieses Haus nicht nur Lebensraum schafft, sondern auch Schutz und Geborgenheit bietet. Das Dach hält gut den Regen ab. Das ganze Haus schützt uns vor Kälte, Stürmen und ungemütlichen Tagen. Vertrauen macht sich breit. Ja – in solch einem Haus möchte ich alt werden.

„Dass Christus in Euch wohne“

Jesus Christus wohnt mit mir, in diesem Haus. Als Ehrengast und nicht als Eindringling lebt er dort! Keiner dieser nervigen Gäste, die die Nase rümpfend durch alle Räume gehen und darauf achten, dass wirklich auch alles ordentlich und sauber ist. Er gibt dem Haus seine Schönheit. Er besetzt nicht das Haus. Er lebt unaufdringlich mit mir. In einem Lebenspartner, der zuhört, klar redet, heilt, die Hand auf das Unansehnliche legt, ins Herz schaut.

Er ist kein plötzlich auftauchender Gast, vor dem ich noch schnell alles aufräumen muss, wenn er an der Tür klingelt. Muss nicht schnell die schmutzige Wäsche vom Tisch nehmen und unters Sofa werfen. „In euren Herzen wohnen.“ Dort also, wo du ganz Mensch bist, Zuhause.

Es ist das erste Bild, das ich vor Augen habe. Es ist bewusst das erste, denn ein Glaubender fragt nie zuerst: Was soll ich tun? Sondern. Was darf ich sein? Was bin ich? Wo ist mein Zuhause?

Das Haus hat viele Räume – so wie der Glaube viele Facetten hat. Glaube ist kein intellektueller Akt – keine Leistung der Erkenntnis. Es ist in erster Linie ein Gefühl! Eine Zuversicht, die Vertrauen und Geborgenheit schafft – so wie das schöne Haus.

Nun verlasse ich das Haus und wende mich dem Baum zu. „Ihr seid fest verwurzelt in der Liebe.“

Da steht der Baum wie er dort schon immer gestanden hat, lange vor mir, noch lange nach mir. Er streckt sich aus nach dem Himmel,. Alles überfließende ragt in die Höhe. Er breitet sich aus. Verwundbar ist er auch.

Und die Wurzeln. Ja, das wesentliche sehen wir nicht. Die Wurzeln. Fasziniert sind wir, wenn die Wurzeln einmal über den Boden kraftvoll kriechen. Was sind die Wurzeln meiner Liebe, meiner Liebesfähigkeit? Ich sehe jemanden leiden, es erbarmt mich seiner. Jemand kann nicht mehr schreien mit lauter Stimme, ich sehe seine schreienden Augen. Ich sehe eine Frau und bin verwandelt.

Was sind meine Wurzeln? Sie sind nicht von mir in die Erde gelegt. Vor-Erfahrungen sind es. Liebeserfahrungen umgeben mich in meiner Geschichte. Gott hat die Wurzeln gesetzt. Ich nähre mich durch sie.

Das Haus, das Vertrauen und die Liebe, der Baum.

Ich sitze in seinem Schatten und ruhe mich aus. In der Liebe des anderen, in Gottes Liebe. Das Vertrauen darf nicht bei sich bleiben, gefangen in den eigenen vier Wänden. Deshalb der Baum mit seiner Ausrichtung und Verwurzelung neben dem Haus.

Das Haus habe ich nicht selbst gebaut, den Baum nicht selbst gepflanzt. Das Herz der Botschaft von Jesus ist die Entdeckung, dass ein Mensch von Gott ausgehen muss, um bei sich selber anzukommen.

Wer begreift, dass er sein ganzes Leben Gott verdankt, kann nicht einem anderen das Leben rauben. Wer glaubt, dass Gott ihn behütet und ernährt, wird sich nicht an Hab und Gut klammern oder versuchen es anderen zu nehmen.

Glaube und Liebe sind die Quelle allen Tuns. Und sie richten den Menschen aus, weg von sich.

Darum der Horizont im Hintergrund des Bildes. Meine Augen wandern dem Horizont zu und ich sehe die Weite. Himmel und Erde berühren sich!

„So könnt ihr begreifen, was die Breite und Länge, Höhe und Tiefe ist.“ Da tut sich ein weiter Raum auf.

Ich schaue auf das Haus und den Baum und dann weit hinaus bis an den Horizont. So groß ist Christus.

Dann merke ich, wie klein meine Welt eigentlich ist. Vieles, was ich nicht für möglich gehalten habe, ist doch möglich geworden. „Das können sie hier nicht machen – wie oft habe ich diesen Satz gehört – und doch war vieles möglich. Wie oft verlieren wir den Mut angesichts der Weite – und doch lohnt es sich immer wieder den Blick auf den Horizont zu werfen.

Hier versagt meine Sprache. Sie ist zu schwach, zu beschreiben. Aber ich ahne, wie eng ich denke. Ich sehe die Begrenzung in meinem Herzen, in meiner Kirche.

Wenn Christus in mir wohnt, wenn ich mich in Liebe ausstrecke, wirken alle Ängste kleinkariert.

Ich werde „erfüllt von der ganzen Gottesfülle.“ Was soll ich mir darunter vorstellen? Ganz voll sein von Gott. Wenn ich voll von etwas bin, dann möchte ich von nichts anderem mehr hören, dann wünsche ich, dass alle zuhören. Dann muss ich es einfach los werden.

Da sitze ich da und sehe das Bild, stehe auf und schaue zurück. Dorthin, woher ich gekommen bin

Ich schaue auf mein schwaches Vertrauen. Mein Haus ist eine Baustelle, eine Ruine. Meine Liebe? Geschwächt, verzagt. Der Baum saugt mühevoll das Wasser aus dem Fluss, dürre Blätter hängen an ihm.

Der Apostel fasst seine Bilder in ein Gebet. Eine Fürbitte. Er selbst erbittet für andere, was noch aussteht.

Dass der Glaube ein festes Zuhause wird, die Liebe wie ein starker Baum, dass ich die ganze Fülle erkenne und sie in mir überfließt.

Er betet inständig und intensiv. „Ich beuge meine Knie.“ Ich gehe vor jemandem in die Knie, den ich liebe, dem ich meine ganze Bedürftigkeit zeige, schutzlos, vertrauensvoll.

Ich habe einmal dieses Bild gesehen, das Haus, den Baum, den Horizont und möchte dahinter nicht mehr zurück. Gott wird sie mit Leben füllen. So wird es sein.

„Aber Gott, „der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder vorstellen, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. So schließt der Apostel seine Fürbitte und ich meine Predigt.

Amen.