Predigt zu Pfingsten und Konfirmation

23. Mai 2010 - Kirche St. Johannis zu Lassan - Pastor Graffam

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Paten, Liebe Eltern, Liebe Gemeinde, Liebe Konfirmanden!

Unglaublich. Nun ist es endlich soweit. Heute ist der Tag, auf den wir so lange gewartet haben. Ihr, Liebe Konfirmanden, habt heute einen wichtigen, sehr wichtigen Tag in Eurem Leben erreicht. Eure Konfirmation! Einfach Unglaublich.

Ich kann mich noch gut an den 30. September 2008 erinnern. Es war unsere erste, gemeinsame Unterrichtsstunde. Zu acht haben wir angefangen – Ihr –vier - seid dran geblieben. Unglaublich – ja, ihr seid die Unglaublichen Vier.

Es folgten fast zwei Jahre Unterricht. Bestimmt war so manche Stunde dabei, die nicht so spannend war. Doch wir sind uns als Gruppe nähergekommen. Und haben auch viele schöne, gemeinsame Stunden erlebt. Einer der Höhepunkte war bestimmt die Fahrt zum Kirchentag nach Bremen. Das Bad in der Menge – 65000 Menschen beim Konzert der Wise Guys. Es tut gut einmal zu erleben, dass wir mehr sind. Mehr als nur Ihr Unglaublichen Vier.

Unglaublich ist manches, was wir in den zwei Jahren erlebt haben. Unglaublich vielleicht auch einige Inhalte für euch – manches bekommt aber auch erst seine Bedeutung, wenn man in eine Situation kommt, wo man es gebrauchen kann. Unglaublicher ist aber immer noch, welches Geschenk der Liebe Gott uns immer wieder macht. So auch heute – zu Pfingsten – am Geburtstag der Kirche.

Gott bewegt uns. Gott bewegt die Welt. Er bewegt Menschen und diese von Gott bewegten Menschen machen sich auf und gründen über die Jahre eine riesige große Gemeinschaft von Menschen, die nicht unterschiedlicher sein können. Völker, alle Generationen und Stände – tausende verschiedene Sprachen, unterschiedlichsten Bräuche und Traditionen – aber ein Geist. Mit Stärken und Schwächen ausgestattet und dennoch eine Familie. Seit Eurer Taufe gehört ihr dazu und heute werdet ihr als mündige Menschen „JA“ zu eurer Taufe sagen, ja zu dieser Gemeinschaft. Ihr seid nun mündige Christen. Ja es ist - gemessen an dieser Dimension - einfach unglaublich, was heute hier passiert.

Vielleicht könnt Ihr es noch nicht so richtig fassen. Ihr steht jetzt im Mittelpunkt – aber nicht nur für uns hier in der Kirche. Auch bei Gott seid ihr jetzt der Mittelpunkt. Es ist einfach unglaublich!

Unglaublich mag es auch für Euch, Liebe Paten, sein. Nun ist ihr Patenkind eben kein Kind mehr. Euer Amt ist eigentlich heute beendet.  13-14 Jahre habt ihr für Eure Schutzbefohlenen Pate gestanden – nun gilt es loszulassen.  Natürlich wird die Verbindung nie ganz abbrechen – auch wenn jetzt eure Patenkinder mündig geworden sind, aber es gibt bestimmt weiterhin Situationen, wo ihr von Ihnen gebraucht werdet.

Und so scheut Euch auch nicht auf die Konfirmanden weiterhin zuzugehen, und auch Ihr, ihr unglaublichen Vier könnt weiterhin auf Eure Paten zugehen – sie ansprechen– dafür sind sie immer noch da. Gott bewegt - zu Pfingsten –und in Krisensituationen aufeinander zu!

Unglaublich auch für uns, Liebe Eltern. Aus dem Kind zum knuddeln und umsorgen, ist langsam ein mündiger und für sich selbst denkender Mensch geworden. Gestern noch auf den Schoss gekrabbelt – heute selbstbewusst und eigen. Es fällt uns nicht immer leicht das zu akzeptieren und gerne würde wir die Zeit vielleicht noch aufhalten wollen, aber schon im Alten Testament heißt es: Eines Tages wird der Mann Vater und Mutter verlassen und am seinen Weibe hängen. Die Sorge für das eigene Kind ist uns nur für eine begrenzte Zeit geschenkt, eines Tages müssen wir loslassen, müssen ertragen, dass unser Kind sein eigenes Leben leben wird und auch leben will; müssen ihm das Recht einräumen eigene Erfahrungen zu machen. Schwer, unglaublich, ja ich weiß, aber auch das gehört zur Erziehungsverantwortung dazu. Es ist unglaublich!

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Liebe Konfirmanden, ich möchte Euch noch ein persönliches Wort mit auf den Weg geben. Ich weiß, Ihr könnt es kaum erwarten Erwachsen zu werden – und das ist auch gut so! Aber – geht achtsam und sorgsam mit eurem Leben um und wagt es, Gott in eurem Leben Raum zu geben in dem Vertrauen darauf, dass Gott eurem Leben Sinn und Ziel gibt.

Es gibt viel dummes Getöse um uns herum. Gedanken, dass andere Menschen nichts wert seien, weil sie nicht Deutsch sind z.B. Habt den Mut bei solchem dummen Getöse Euch daran zu erinnern, dass unser Gott ein Gott aller Menschen ist. Das seine Liebe, die er in Jesus Christus gezeigt hat, für alle Menschen gilt – und dass der Heilige Geist uns alle bewegen möchte.

Auch in unserer Kirche ist vieles krumm und schief, ich weiß! Aber ihr gehört jetzt zu den Heiligen Gottes. Und der Heilige ist eben nicht der – der ein untadliges Leben führt oder meint zu führen. Die Heiligen Gottes sie im biblischen Sinne gerade die, die sich auf darum auf Gott verlassen, weil sie um ihre eigene Unzulänglichkeit wissen, sich aber gestärkt fühlen, durch die Liebe Gottes. Oder wie Martin Luther es gesagt hat: Unsere Kirche muss ständig reformiert werden.

Denn – wer will, dass Kirche immer bleibt wie sie ist, will nicht das Kirche bleibt.

Ihr gehört jetzt zur Nachkommenden Generation unserer Kirche. Gott bewegt – er will auch Euch bewegen. Habt den Mut in unserer Kirche Dinge anzusprechen, die anderes sein müssen. Und habt den Mut, die guten Seiten anzunehmen, wo andere vielleicht drüber lachen.

Ihr seid nun hineingenommen  in die große Liebe Gottes und in diesem Vertrauen werdet Ihr die große Freiheit fürs Leben finden.  Es ist unglaublich – aber wahr.

Amen