Predigt mit 2. Korinther 9,6-1

Pastor Philip Graffam

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

6 Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.7 Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 8 Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; 9 wie geschrieben steht (Psalm 112,9): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.« 10 Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. 11 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. 12 Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. 13 Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen.14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch.15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe! 2 Kor 9,6-15

Liebe Gemeinde,

den Text den Paulus da an seine Gemeinde in Korinth geschrieben hatte, ist ein Spendenaufruf. Nun sind Spendenaufrufe immer so eine Sache, oder? Dabei sind wir Deutschen noch sehr spendenfreudig. Und dennoch – oft haben Spenden so einen schalen Beigeschmack. Und ich denke da in dreierlei Weise.

Zum einem stellt sich natürlich die Frage: „Kommen unsere Spenden auch an?“ Und die Sorge darum ist auch nicht immer unberechtigt. Oft hören wir, dass ein großer Teil der Spenden in der Verwaltung der Organisation verschwindet. Nun  - da können wir vielleicht noch mitgehen, denn damit eine Organisation wirkungsvoll helfen kann, braucht sie eine bestimmt Verwaltung. Und dennoch haben wir es am liebsten, wenn die Spende direkt bei den Hilfsbedürftigen ankommt.

 Es gibt auch zweitens die Sorge, dass das Land für das wir Spenden sammeln, vielleicht ein Schurkenstaat ist und unser Geld in den Taschen der Herrschenden landet. Oder gar bei Terroristen, wie wir es in der furchtbaren Flutkatastrophe in Pakistan immer mal wieder gehört haben.

So begleitet uns bei jeder Spendenaktion die Frage: Kommt unser Geld auch da an, wo es wirklich hilft?

Und ich denke, dass sollten wir auch wachsam sein! Als Christen allemal, denn unsere Spende soll auch wirklich helfen! Und seinen wir auch froh, dass es Journalisten gibt, die immer wieder Spendenskandale aufdecken. Es hilft uns nämlich die seriösen Organisationen zu finden, denn diese gibt es  - auch wenn durch die Medienberichte es manchmal so erscheint, dass nur noch Betrüger am Werke sind.

Die zweite heikle Sache zum Thema „Spenden“ sind die Spender selbst. Große Firmen sponsern schon mal Vereine, Institutionen und auch politische und karikative Organisationen. Und dahinter steht nicht immer nur der Wille Gutes zu tun, sondern auch oft geschäftliches Kalkül.

Zu einem Werbung. Jedes Unternehmen, das eine Spende tätigt, will auch genannt werden – und für eine gute Sache zu spenden, ist eine großartige Werbung. Und zum anderen können Spenden von der Steuer abgesetzt werden.

Manche Spender erhoffen sich auch Ruhm und Anerkennung. Vielleicht so gar eine Ehrendoktorwürde oder auch mal eine gute Position im Stadtrat. Hat Jesus nicht einmal gesagt: Es sei besser, wenn die linke Hand nicht wisse, was die rechte tut?

Und drittens gibt es die vom Staat erhobenen Beiträge, die auf unserer Gehaltsabrechnung auftauchen. Kirchensteuer, wenn man denn Mitglied ist und der Soli-Beitrag zur deutschen Einheit. Ja – auch unsere Wiedervereinigung – deren 20 jähriges Jubiläum wir heute feiern, ist nicht ohne die Unterstützung aller zu haben.

Also – Spenden – das ist immer so ein Sache. Und dennoch – ohne Spenden wäre so vieles nicht möglich. Ohne Spenden würden Menschen im Elend versinken. Ohne Spenden würden Kinder verhungern, Kranke sterben und Opfer von Erdbeben oder Flut-Katastrophe erfrieren. Ohne Kirchensteuer gäb es keine Kirche vor Ort und ohne Solidaritätsbeitrag wären viele Aufbauprojekte im Osten nicht möglich gewesen.

Man kann traurig darüber sein, dass es in so einem reichen Land wie Deutschland überhaupt eine Einrichtung wie die Wolgaster Tafel geben muss. Aber für Menschen, die sehr wenig Einkommen haben, ist es ein Segen.

Paulus spricht andeutungsweise in unserem Predigttext auch das Thema Spenden an. Und er hat ein ganz konkretes Projekt vor Augen. Die Gemeinde in Jerusalem. Diese Gemeinde braucht finanzielle Unterstützung, sonst ist sie als Gemeinschaft der Kinder Gottes nicht lebensfähig.

Eine Gemeinde kann ohne das Geben als Gemeinde nicht existieren – das war damals so wie heute.

Auch er spricht vom Ruhm für die Spender und wenn er nur sagt: „Einen freundlichen Geber hat Gott lieb.“

20 Jahre Wiedervereinigung. Vieles – vieles ist geschafft worden. Vieles, vieles liegt noch im Argen.

Und dennoch – für mich ist dieser Tag ein Tag zum Danken.

Und heute feiern wir nun Erntedank. Wir haben die Gaben vor dem Altar gesammelt und werden sie weiter geben. Das hat mit Dankbarkeit zu tun.

Wir danken Gott, Schlicht und klar. Wir Christen verstehen unser Leben als Geschenk Gottes. Geben wir etwas so geben wir einen Teil zurück von dem, was wir empfangen haben. Wir geben einen Teil an den zurück, der alles gegeben hat. Damit danken wir Gott. Das klingt jetzt vielleicht etwas schlicht und bestimmt haben Sie das auch schon in den vielen Erntedankgottesdiensten ihres Lebens gehört.

Aber ich betone es deswegen so, damit die eigene Person in die zweite Reihe rückt. Damit wird Gott zu dem, der allem anderen vorausgeht. Von ihm geht alles Leben aus. Von ihm geht alle Liebe aus. Von ihm geht alle Zuwendung, alle Rettung aus. Da zählt nicht mehr, was wir leisten. Da nützt nicht mehr, dass wir vieles vermögen. Da gibt es keinen Stolz mehr. Wenn wir Leben in Liebe zu retten versuchen, geschieht eine Antwort. Es wird gedankt.

Darum feiern wir Erntedank! Wir Menschen auf die Straße gehen und mit Kerzen und Gebeten eine unmenschliche Mauer zu fall bringen, dann ist Liebe im Spiel. Eine Liebe, die wir nur als Geschenk Gottes empfangen können.

Gott schenkt Leben, und er will, das Leben bewahren, ja retten – in Liebe. Dafür danken wir und darauf antworten wir mit unserem ganzen Sein in einem Leben in Liebe.

Das gibt Sinn. Der Irrsinn hat ein Ende. Es hängt wohl alles daran, ob wir Gott wirklich Gott sein lassen. Ob wir von vornherein ihm die Ehre geben. Heute ist der Tag, an dem wir sein Lob singen. Heute feiern wir das Fest unseres dankbaren Herzens. Wir sind das Volk – aber: Gott vor allem. Vor allem Gott.

„Wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen“.

Dieses schöne Wort von Paulus blüht heute besonders auf. Wir kennen es aus anderen Zusammenhängen in unserem Alltag. Da ist ein Mensch, den wir mögen. Ja – mehr noch, den wir lieben. Und weil wir ihn mögen, weil wir ihn lieben, machen wir ihm ein Geschenk. Das Geschenk ist also Ausdruck unserer Zuneigung und keine Investition um Liebe zu bekommen. Wir geben etwas zurück von der Liebe, die wir grundlos erhalten haben.

Und dennoch bekommen wir etwas zurück. Ein fröhliches Lachen. Ein herzliches Dankeschön! Eine zärtliche Berührung – einen Kuss.

Wir säen in Liebe und ernten den Segen. Oder ein anderes Wort von Paulus wird wichtig: „Gott kann machen,… dass ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk“. Ihr habt alles, es reicht immer, und habt dazu so viel und genug, dass ihr geben könnt. Alles Berechnen fällt unter den Tisch, alle Angst macht sich davon, und die Freude hält Einzug über die Ernte. Und Paulus benennt einen Effekt, der einfach spitze ist. Die Sammlung, die Gaben, sie helfen. Die Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Bedürftigen, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken“

Und dieser Dank gebiert neuen Dank. Beim Gegenüber entsteht nicht der Zwang, sich zu revanchieren, er wird auch nicht gedemütigt. Es entsteht neuer Dank. Dank, der die Quelle aller Gaben erkennen lernt. Dank, der den Blick weitet und zu neuem Lebensmut, ja, zur Lebensfreude und Lebensqualität verhilft.

Das ist der große und ganze Ernst dieses Tages, liebe Gemeinde. Dankbarkeit ist tatsächlich von weitreichender Bedeutung. Das heißt nur nicht, dass wir heute Trübsal blasen sollen, über die viele Not in der Welt. Das heißt auch nicht, dass wir nach links und rechts schauen um nachzurechnen, was denn jeder gegeben hat. Das heißt auch nicht, dass wir immer noch nach Ost und West blicken und aufrechnen, was jeden die Wiedervereinigung gekostet hat.

Wir brauchen auch nicht griesgrämig sein und denken: „Hmm – schon wieder will jemand was von mir! Und dann – dann kommt meine Spende nicht an!“

Wir feiern ein Fest, und wir Christen setzen mit ihm ein Zeichen. Wie haben genug Brot, dass alle im Lande satt werden können – dafür danken wir Gott. Unsere Kinder können von Ost und West fahren, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen – dafür danken wir Gott. Wir geben, was wir geben wollen und können. In aller Freiheit. Und diese fröhliche Freiheit der Kinder Gottes, die wir in Jesus Christus erworben haben, macht unser Leben reicher und viel lebenswerter. Denn es heißt: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!“ AMEN