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St. Johannis zu Lassan - Pfarrer Philip Graffam
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
Heute feiern wir ein Fest. Ein großes Fest des Glaubens. Nun könnte man richtiger Weise sagen, dass jeder Sonntag ein Fest ist, aber das wäre mir jetzt zu spitzfindig. Nein – heute ist ein richtiger Festtag. Trinitatis heißt dieses Fest. Und – wir feiern gar nicht so richtig. Unsere Feste heißen Weihnachten, Ostern, Pfingsten – dazu noch Erntedank und vielleicht noch Himmelfahrt, den Reformationstag. Aber die richtigen großen kirchlichen Feste sind Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Trinitatis, schwer greifbar dieses Fest. Dabei ist unsere heutige Epistellesung und Predigttext ein großer Hymnus. Und große Hymnen singen wir zu Festtagen. Es ist ein Hymnus der Antwort auf die offenen Fragen des Glaubens zu geben versucht: Hören wir ihn noch einmal:
Paulus hat diesen alten Hymnus angestimmt in seinen Brief an die Römer und Paulus hat immer wieder auf wundersame Weise das Eingreifen und die Bewahrung Gottes erlebt. Überall wo er auftrat, musste er sich Anfeindungen, Verfolgung – ja Todesgefahr aussetzen. Und dennoch – unbeirrt ging er seinen Weg mit seiner Frohen Botschaft, mit seinem Evangelium:
Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt. Und diese Botschaft, dieses Evangelium ist die Zusammenfassung und der Höhepunkt des Heilsweg Gottes mit uns Menschen. Das war das, was in Jesus Christus neu für die Menschen von damals und auch für uns war.
Jesus hatte wie kein andere die Ausgestoßenen der Gesellschaft, die Kranken, Armen, Frauen, Kinder, Zöllner, Witwen in den Mittelpunkt gestellt und ihnen die Nähe Gottes zugesprochen. Und er hatte den Weg des Friedens als den einzigen gangbaren Weg zur Errichtung des Reiches Gottes eingeschlagen. Schon allein dieser NEUE Bund, den Jesus zwischen Gott und den Menschen anbot war einzigartig. Das er da bei den Machthabern aneckte können wir uns gut vorstellen und dass diese ihn aus dem Weg geräumt hat, ist die grausame Logik des Machthabenden – damals wie heute. Sein grausamer Tod am Kreuz sollte ein Ende seiner Bewegung sein. Doch – wir wissen es. Es war erst der Anfang. Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Und wenn wir uns den Heilsweg Gottes nur anhand unserer drei größten Feste ansehen, dann wir deutlich, welch übersprudelnde Fülle in Gottes Heilsweg verborgen ist.
Weihnachten: Gott wird Mensch. Kein ewig im höchsten Höhen residierender und erreichbarer Gott. Sondern ganz nah – greifbar. Mit der Geburt Jesu setzt Gott sich mit uns in Beziehung. Gott, der Vater wird Mensch.
Ostern: Die Menschen haben Jesus nicht begriffen, vielleicht auch nicht begreifen wollen. Er stirbt. Er stirbt, aber Gott kann auch dieses durchbrechen. Wir feiern die Auferstehung: Gott, der Sohn ist auferstanden.
Pfingsten: Jesus kehrte am Himmelfahrtstag zurück – doch lässt er uns Menschen nicht allein. Er sendet uns seinen Geist – er stiftet eine ganz andere Gemeinschaft. Eine Beziehung unter den Menschen in und mit Gott. Gott, der Heilige Geist verbindet uns mit Gott.
Und Trinitatis? Hier fließt alles zusammen. Gott der Vater ist der Anfang und Ziel dieser Geschichte. Trinitatis ist die übersprudelnde Fülle Gottes, das Weihnachten, Ostern und Pfingsten zusammenfasst. Eigentlich ein zutiefst vernachlässigtes Fest. Vielleicht liegt es daran, dass wir die Trinität Gottes so schwer fassen können. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ein Gott in dreierlei Gestalt. Sehr abstrakt und fern, oder? Als Theater-Mensch fällt mir dazu diese Herangehensweise ein: Das griechische Wort Drama bedeutet „Handlung“. Der Schauspieler handelt. Im englischen wird dies deutlicher, denn dort heißt der Schauspieler „Actor“ – also der, der handelt. Und handelt der Schauspieler in der Handlung des Stückes, dann setzt er sich mit dem Zuschauer in eine Beziehung. Im griechischen Drama nutzten die Schauspieler Masken – je nach Stimmung oder Rolle und setzen sich in reale Beziehungen und Betrachtungen mit sich und ihrer Umwelt. Drama heißt handeln und Gott handelt. Er handelt in der Welt – für die Welt und mit der Welt. Vater – Sohn und Heiliger Geist – drei Masken eines Gottes in denen er sich in Beziehung zu sich selbst und zu uns Menschen setzt. Weil Gott die Liebe ist. Und weil er die Liebe ist, möchte er mit uns in Beziehung treten, möchte, dass wir miteinander und untereinander eins sind. Und Gott handelt in der Welt – ja er ist die übersprudelnde Fülle. Trinitatis – ein Fest der übersprudelnden Fülle Gottes.
Gott Vater – Gott Sohn – Gott Heiliger Geist –
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