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Predigt mit 1. Korinther 15, 1-11 - Ostersonntag 2010 - Pastor Philip Graffam
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen
15,1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, 2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt. 3 Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. 6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. 7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. 8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. 9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. 10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. 11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir und so habt ihr geglaubt.
Liebe Gemeinde,
Nun hat es ein Ende, Liebe Gemeinde, mit diesem elenden Winter. Wie oft haben wir uns das im Februar, im März gewünscht. Drei Monate Schnee. Es gibt Menschen die in Regionen leben, wo das ganz normal ist. Es gibt Menschen, die in Regionen leben und über unseren Unmut über den langen Winter nur lachen können.
Das mag ja so sein, aber für uns – die so einen langen und harten Winter nicht gewohnt sind – war es schon eine Geduldsprobe. Vieles ist dabei liegen geblieben. Veranstaltungen fielen aus oder waren nur sehr schlecht besucht. Freunde oder Verwandte sagten ihren Besuch ab. Kurzum – dieser Winter hat uns alle ganz schön mitgenommen und zumindest in mir eine gewisse Lethargie erzeugt – oder ganz offen gesagt: „Ich hatte keine Lust mehr!“
Aber wie vieles hat auch sogar dieser Winter noch eine gute Seite gehabt. Ich kann mich kaum erinnern, dass ich mich so sehr nach dem Frühling gesehnt habe, wie in diesem Jahr. Fast unheimlich war die Erfahrung vor die Haustür zu treten und eine gewisse Wärme in der Luft zu spüren. Und oft habe ich mich bei der Aussage ertappt: „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass es mal wieder warm werden würde.“ Und nun geht es wieder los. Ich merke, wie die Kraft und auch die Lust in meine Glieder zurückkehren. Und ich kann mir wieder den Sommer vorstellen.
Sie ahnen es, Liebe Gemeinde, dass ich hier eine Ähnlichkeit mit dem Ostermorgen wiederspiegeln möchte und natürlich habe Sie recht. Der Herr ist auferstanden. Er ist wirklich auferstanden. Wir feiern Ostern, die Auferstehung Jesu Christi! Das ist ein Grund zum Feiern. Wenn das kein Grund ist, was ist dann ein Grund zu feiern?! Am Karfreitag endete unser Weg noch am Kreuz! Heute geht er weiter. Wir nehmen den Weg wieder auf. Doch diesmal mit dem Auferstandenen an unserer Seite. Die Kälte dieses Todes ist vorbei. Die Wärme seiner Auferstehung dringt in unsere Glieder. Doch – bin ich dazu eigentlich bereit? Kann ich diesen neuen Weg einschlagen? Bin ich jetzt nicht fern aller Realität? Kann ich – können wir es wirklich glauben? Jesus Christus ist auferstanden? Es ist wahrhaftig auferstanden?
Jesus war tot. Brutal am Kreuz hingerichtet. Nun soll er auferstanden sein? Unser Verstand rät uns eine andere Einsicht. Alle biologischen und wissenschaftlichen Betrachtungsweisen der Welt laufen auf das Sterben hinaus. Alles hat sein Ende. Jesus ist tot! Wer was anderes glaubt ist ein Phantast, ein Träumer – einer, der sich der bitteren Wahrheit der Härte des Lebens nicht stellen kann. Der eine lebt, der andere stirbt. Und morgen stirbt dann der eine und ein anderer lebt, bis dieser dann stirbt. Das ist die ewige Leier menschlichen Daseins; die Sinnlosigkeit unseres Lebens. Das ist Hoffnungslosigkeit pur. Das Sein ist begrenzt. Ein Einsames Ich auf einem Felsbrocken, das im All herumtreibt. Ja, so wäre sie – die Welt ohne Gott. Kalt – leer – ohne Ziel. Dem letzten Winter gar nicht so fern.
Ich merke, ich muss den Weg beim Kreuz wieder aufnehmen. Und ich sehe die Jünger. Sie sind geflohen. Weggelaufen vom Kreuz – von diesem Schandmal, dass alle Hoffnung zerstoben hat. Ihr Meister, ihr Rabbi – ihr Lehrer – ihre Inspiration und ihre Hoffnung, ja ihre Zukunft. Er ist gestorben und begraben. Aus. Ende. Alles vorbei! Nun sind sie wieder hart auf sich selbst geschleudert worden. Der Tod hat alle Hoffnung genommen. Dieser grausame Gleichmacher hat am Ende doch wieder den Sieg behalten. Als Pfarrer habe ich an vielen Gräbern gestanden und bin in vielen Trauerhäusern gewesen. Mir ist dieses Gefühl vertraut. Und ich lese die Zeitung, schaue Fernsehen. Die vielen sinnlosen Kriege. Ja, so ist sie – die Welt ohne Gott. Kalt – leer – ohne Ziel.
Und die Frauen – sie gehen zum Grab. Das ist wichtig. Am Grab finden wir Trost in der Erinnerung. Dieser Ort ist wichtig für uns, wenn wir damit zu Recht kommen wollen, dass dieser geliebte Mensch nicht mehr bei uns ist. Und die Totenpflege ist ein großer Liebesdienst.
Und dann das. Das Grab ist leer. Furcht und nicht verstehen macht sich breit. Sie hoffen und können es doch nicht begreifen. Jesus ist nicht mehr dort. Wo sollen sie ihre Tränen lassen. Jesus ist nicht hier. Den, den ihr sucht. Es ist nicht im Reich des Todes. Er ist auferstanden. Sagt es den Jüngern. Jesus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden! Und Jesus ist schon auf dem Weg. Nach Galiläa. Dort, wo alles begann, dort ist er wieder hingegangen.
Und langsam – allmählich weicht die Furcht dem Begreifen. Und immer mehr treffen den Auferstandenen. Paulus schreibt, dass er gesehen wurde. Von mehr als 500 Brüdern und Schwestern.
Nun geht der Weg weiter. Hat mich der Weg zu Gott erst zum Kreuz hingeführt, so führt er mich nun weg vom Kreuz. Vom Tod ins Leben. Denn – sie haben ihn gesehen: Ist das nicht unglaublich? Diese Seligkeit, dieses Glück?
Liebe Gemeinde, es war von Anfang an unglaublich. Und die es hörten, haben es nicht glauben wollen, nicht glauben können, haben ungläubig nachgefragt. Das kann doch nicht sein! Sie konnten es nicht verstehen. Wie kann man auch eine Erfahrung, die tiefer ist als die Welt, verstehen? Dies ist ein ganz neuer Weg! Hosianna. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna! Aber nicht alle können es glauben. Denn wie hat bereits Martin Luther einst gesagt?:
Viele haben ihren leichten Spott gehabt: Aberglauben. Märchen. „Denn die Vernunft ist da und ... sieht schlicht in das Werk, wie es vor Augen ist, daß die Welt so lang gestanden, und stirbt immer einer nach dem andern, und bleibt alles tot und verwest und gar zerpulvert im Grab, und ist noch nie keiner wiederkommen. ... Wenn [die Vernunft] nun in diesen Artikel gerät und will ihn nachdenken, so ist es gewißlich gar verloren. Denn es kommen ihr soviel wunderliche, seltsame, ungereimte Gedanken vor, daß sie muß sagen, es sei nichts dran.“ Luther. 36,493; zit Ringl 2.
Sie kennen dieses selbstsichere Lächeln – ja gut, vielleicht ist Gott ja der Grund der Welt, vielleicht gibt es da ein Geheimnis, eine allgemeine Macht – aber, dass ein Mensch auferweckt wird aus dem Tod? Und Gottes Sohn soll er sein? Ein Mensch erscheint in Gottes Ewigkeit? Und Gottes Ewigkeit ist sichtbar auf Erden? Gott so lebendig wie wir? Nein - noch unendlich lebendiger? Kann es wirklich sein, dass der Weg mit Gott Leben im Tod, im Nichts schafft?
Liebe Gemeinde, Jesus hatte vom Himmelreich erzählt, von der Vergebung, von der Umkehr, von der Zukunft Gottes. Er hatte das selbst verkörpert. Da wehte tiefes Glück. Aus dem Nichts wuchs wirkliche Liebe. Wenn er redete, war Gott da. Und dann war er tot. – bis dahin waren die Jünger und alle, die an ihn glaubten verzweifelt. Sie waren zerrissen. Sie hatten ihn verraten. Sie hatten ihn verleugnet. Er war tot. Gestorben, begraben. Und dann haben sie ihn gesehen – ist das nicht unglaublich? Er war tot, drei Tage – und dann geschah etwas. Was geschah denn? Wir stammeln. Wir stottern. „Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Aber sie haben ja keinen Menschen in der Zeit gesehen. Sie haben nicht eine Leiche gesehen, die wieder belebt wurde.
Sie haben den Menschen in der Ewigkeit Gottes gesehen. Sie haben Gott gesehen! Unwiderstehlich. Unausdenkbar. In einer Wirklichkeit, die höher und tiefer ist, als alles in der Welt. Und unendliche Seligkeit hat sie erfüllt. Unendliches Glück hat sie erfüllt. Sie waren endlich frei. Sie hatten endlich begriffen. Gott holt uns. Wir atmen aus Gott. Wir leben in Gott. Die göttliche Heimat ist schon bei uns. Wir gehören zu Gott. Seine Liebe wird unsere Liebe in Ewigkeit. Unser Weg hat schon das Ziel erreicht, gleich nachdem wir ihn begonnen hatten.
Und das, Liebe Gemeinde, dass befreit. Das befreit zum Leben. Wie sagt Paulus das so schön? „Durch Gnade bin ich was ich bin!“
Meine Ängste kann ich so in den Griff bekommen. Ich kann mich meiner Lasten von gestern entledigen und durchatmen, so wie ich den letzten Winter hinter mir lassen kann und neu und fröhlich in den Frühling starten kann.
Glaube, Hoffnung, Liebe erweisen sich als würdige Begleiter in meinem Leben. Das Ziel des Weges ist erreicht. Die Versöhnung mit Gott.
Und darum freue ich mich heute. Ich freue mich. Ich bin richtig froh. Ich wünsche mir, dass es Ihnen genauso ergeht, dass wir uns gemeinsam freuen können. Heute ist Ostern! Die Passionszeit ist vorbei. Wir feiern Ostern, die Auferstehung Jesu Christi! Das ist ein Grund zum Feiern. Wenn das kein Grund ist, was ist dann ein Grund zu feiern?! Heute feiern wir, doch diesmal mit dem Auferstandenen an unserer Seite.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN
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