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Pastor Philip Graffam
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.
Liebe Gemeinde,
Haben Sie noch Träume? Sicherlich – ich denke jeder von uns träumt noch von irgendetwas. Jeder träumt vom Glück, Erfüllung und Sicherheit. Wäre es nicht wunderbar, wenn mein Enkel eine gute Berufsausbildung erhalten würde? Wenn ich einmal sechs richtige im Lotto habe, dann mache ich eine Kreuzfahrt durch die Karibik! Wenn ich dieses erreichen könnte, das wäre wunderbar!
Oder ein anderes Bild. Sie wachen morgens auf und es macht sich in Ihnen ein trauriges Gefühl breit, denn Sie hatten doch gerade so wunderbar geträumt. So realistisch – so freundlich und hell – so gut war das Leben in diesem Traum! Vor allem, dieser Traum hatte was mit mir zu tun. Ich bin darin vorgekommen und es war so schön. Sie können das erlebte, das geträumte nicht halten, nicht retten, denn nun quält sich der Alltag wieder in die Bilder der vergangen Nacht und die Erinnerung an das erlebte im Traum schwindet von Minute zu Minute.
Träume hatten auch die Menschen, die im Herbst 1989 den Mut hatten auf die Strasse zu gehen um für ein Grundrecht zu demonstrieren. Das Grundrecht der Freiheit. „Wir sind das Volk“ skandierten sie und brachten damit ihre Träume von einer freieren und gerechteren Welt zu Ausdruck.
Freiheit, der größte Traum des Menschen. Ich denke an die wunderbare und wohl berühmteste Rede des Bürgerrechtlers und Freiheitliebhabers der USA. Dr. Martin Luther King Jr.
"I have a dream"[Rede zum Marsch auf Washington am 28. August 1963 vor 250.000 Menschen am Lincoln Memorial, siehe Foto links; eine beeindruckende Luftaufnahme der Kulisse finden Sie auf der Seite Washington]
Ich habe einen Traum, dass eines Tages diese Nation sich erheben wird und der wahren Bedeutung ihres Credos gemäß leben wird: "Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind." Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der in der Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verschmachtet, in eine Oase der Gerechtigkeit verwandelt. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. Ich habe einen Traum heute...
Träume sind wichtig! Träume sind notwendig! Ohne Träume, ohne die Vision, auch wenn es eine Utopie sein sollte, ohne diese großartige Dimension der visuellen Zukunftsgestaltung können wir wenig, ja vielleicht gar nichts bewegen.
Auch Jesus Christus hatte einen Traum – eine Vision: Und das ganze Neue Testament ist durchzogen von diesem Traum, von dieser Vision. Es ist der Traum, die Vision vom Reiche Gottes.
Und Jesus hat diesen Traum, und hier müssen wir einmal unterscheiden, dass es keine Träumerei oder naive Schwärmerei war – nein, es war ein klarer Traum vom Kommen des Reiches Gottes, welches schon mitten unter uns ist. So wie es auch Psalm 126 zum Ausdruck bringt: Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.
Und Jesus hat uns durch sein erscheinen und wirken auf dieser, unserer Erde, bereits Anteil gegeben am Traum, an der Vision vom Reich Gottes. Das weiß auch Paulus wenn er in unserem Predigttext an die Römer schreibt: Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.
Also – halten wir fest, was wir bis jetzt haben. - Träume sind etwas schönes uns sehr wunderbares
- Auch Jesus Christus wusste, davon – ja hatte sie selber
- Der größte Traum der Menschheit ist der Traum von der Freiheit.
- Träume sind wichtig – denn sie geben uns Anteil am kommenden. Ja, ich würde sogar sagen: Ohne einen Traum können wir wirkliche, reale Freiheit nicht erreichen.
Doch was heißt eigentlich „Freiheit“? Es ist ein großer Begriff. Ein sehr hohes Ideal. Ein Wert, für den schon sehr viele Menschen bereit waren zu kämpfen und zu sterben. Heißt Freiheit: „Ich kann tun und lassen was ich will?“ Sprich – Freiheit öffnet der Beliebigkeit Tor und Tür?
Oder anders gefragt: Wenn Paulus schreibt: „Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ Wenn Paulus so schreibt, sind wir Christen denn frei oder haben wir überhaupt die Möglichkeit, die Voraussetzung je frei zu sein? Werden wir nicht gelebt?
Ich denke, dass gehört zum Teil zu unseren Erfahrungen des Lebens. Wir haben oft das Gefühl gelebt zu werden. D.h., es macht sich oft das Gefühl breit, dass andere über uns und unser Wohl entscheiden würden – dass wir nur ein kleines Rädchen im Getriebe, ein Spielball im großen Weltspiel sind, dessen Regeln längst andere für uns festgelegt haben. Und dieses Gefühl, diese Wahrnehmung ist ja auch nicht ganz falsch. Gerade deswegen ist der Traum der großen Freiheit ja auch so ausgeprägt in der Menschheitsgeschichte. Und so lohnt es sich, noch einmal genau hinzugucken, auf das, was Paulus an die Römer geschrieben hat.
Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.
Diese Verse sind in einen größeren Zusammenhang bei Paulus gebettet. Umrahmt von 2 wesentlichen Gedanken: Euer Gewissen soll der Maßstab für euer Tun sein und Was im Glauben geschieht, kann keine Sünde sein.
Darin sieht Paulus die große Freiheit, die wir durch Jesus Christus erhalten haben. Nur Christus ist hier. Keinem anderem als Ihm bin ich für mein Tun Rechenschaft schuldig. D.h. weder ein Staat, noch einer Institution, noch einer konkreten Person gegenüber bin ich als Christ verpflichtet. Nein – allein Jesus Christus.
Ein souveräner Gedanke. Kritisch und Großzügig zugleich, aber nicht Beliebig. Doch Paulus kann so reden, denn er weiß ja: Ich bin schon einer weil ich in Christus bin. Ich muss mich nicht jeden Tag wieder neu beweisen. Ich kann selbstbestimmt leben, eben gerade weil ich mich getragen weiß.
Eines müssen wir dabei natürlich beachten, liebe Gemeinde! Diese große Freiheit im Glauben ist nicht nur mir – nicht nur Ihnen geschenkt – sie ist jedem in Christus geschenkt. D.h., wenn jemand andere Schlüsse aus dem Glauben zieht als ich oder sie, dann habe ich dies in aller Freiheit des Glaubens zu akzeptieren. Gelassen und ohne Arroganz. Also auch bei anderen ehrlich etwas zulassen, was ich selbst nicht unbedingt für richtig halte. Dieses führt zu einer aufrichtigen Toleranz. Einer Toleranz aus der Gewissheit heraus: Ich bin in Christus – sei es im Leben und im Tod. Also einer Toleranz, die nicht beliebig, sondern wahrhaftig und Christus gestärkt daher geht.
Und diese in Christus gegründete Freiheit Liebe Gemeinde, und diesen Abstecher in die jüngste Zeitgeschichte mögen sie mir gestatten, diese in Christus gegründete Freiheit haben Fundamentalisten nicht. Und denke jetzt nicht schon wieder an die fanatischen, todbringenden Islamisten – sondern an die Wähler der so genannten „Tea-Party“ in den USA, die ihr Kreuz gegen Obama gemacht haben.
Sicher – Moral und konservate Werte haben auch Ihre Berechtigung – auch ich bin kein Freund der Beliebigkeit nach dem Motto, dass da einer singt: Ich will so bleiben wie ich bin – und Jesus antwortet: Du darfst. Nein, sicher nicht. Die Frage ist nur: Was sind das für Werte, die da zur Debatte stehen?
Freiheit. Sicher – Die Tea-Party spricht täglich davon. Doch Freiheit ist nicht gegründet in Intoleranz und blinden Verfolgungswahn. Wir können Freiheit nicht durch Hetze gegen das Gesundheitsprogramm regnen lassen.
Nein, Freiheit ist allein in Christus gegründet und Christus spricht: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“ Er allein ist der Herr über Leben und Tod! Über mein Leben und meinen Tod und über das Leben und den Tod aller anderen. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.
Bringt das Mut zum Träumen? Ich will es hoffen. Und wenn ich weiter träume, dann will ich hoffen, dass ich ein wenig von der Souveränität des Paulus lernen kann.
Gelassen und ohne Arroganz mit all dem umgehen, was ich kann. Und auch meine Schwächen und Ecken und Kanten ehrlich sehen. Dann fällt es mir hoffentlich leichter, auch bei anderen zuzulassen, was ich selbst nicht unbedingt für richtig halte. Dem Herrn leben und sterben – das ist kein Besitzverhältnis, um das es da geht. Wir sind nur in einem Sinne Gottes Eigentum. Wir sind ihm nicht egal – weder im Tod und vor allem auch im Leben nicht.
O ja, das wäre ein schöner Traum. Und noch schöner wäre es, wenn es nicht nur ein Traum bliebe. Aus dem Traum wird Realität, wenn Sie und ich spüren, dass wir drin vorkommen. So wie wir sind. Und dass wir Wesentliches verpassen könnten, wenn wir solche Träume nicht ins Wache brächten.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN
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